Das Prometheus-Dilemma
Ich liebe Tech, Tech ist super, ich bin damit groß geworden, nutze sie selbst sehr. Hey, 3D-Drucker, PCs, Konsolen: mag ich alle. Ich fahre auch gerne mit meinem Auto und bin auch sonst ein Spielkind. Für mich sind das aber auch nützliche Helfer im Alltag, die ich nicht müssen möchte.
Meine Sorgen beginnen dann, wenn wir ungeregelt Menschen Tech in die Hand drücken, mit der viel gemacht werden kann, was eben potentiell gefährlich ist.
So beobachte ich gerade mit einer gewissen Besorgnis den Trend, jedem Menschen KI in die Hand zu drücken, während wenige Akteure offen darüber reden, wie toll es ist, dass man in Zukunft auf sie angewiesen sein wird. Gleichzeitig geben wir jedem das Äquivalent zu Atombomben in die Hand und sagen: „Ihr macht das schon“. Und während wir das alle verdauen und als Gesellschaft vor großen Herausforderungen stehen, vermischen wir jetzt KI und daueraufnehmende Brillen, damit die Datensammelwut endgültig ihren Zenit erreicht. Wir hatten schon mal den Begriff des Glassholes – der kommt nun verstärkt wieder:
Ich finde das alles interessant, ich finde auch die gigantischen Tauchsieder von AKWs spannend. Ich finde sogar Atomwaffen mit Mehrfachsprengköpfen auf eine morbide Art faszinierend. Die F-117, einfach spannend.
Aber ich würde sie nicht jedem in die Hand drücken und hoffen, dass alle damit verantwortungsvoll damit umgehen: Das hat noch nie funktioniert. Wenn wir schwarze Löcher mit wenigen Mitteln selbst im Labor herstellen könnten, würde ich sie nicht im Supermarkt um die Ecke verkaufen – auch nicht mit: „Kleinteile könnten möglicherweise verschluckt werden“.
Ich weiß nicht, was der beste Weg ist, um das Problem zu lösen, aber meine Skepsis und meine Sorgen wachsen fast minütlich. Und während alle Welt es lobt, dass wir mit KI alles Mögliche erreichen – und das tun wir, ohne Frage und das ist großartig – vergessen wir, und auch der Gesetzgeber, hier zu reagieren. Und je länger wir mir Stellschrauben warten, desto eher wird es in zehn Jahren auf Facebook und Co. wieder Fluten von „Früher hatten wir KI und haben unsere Mitmenschen nackt ausziehen können – und wir sind auch groß geworden“-Postings geben, die von einer vermeintlich besseren Zeit schwadronieren, während man selbst vergisst, verklärt und verschweigt.

Wir gehen alle davon aus, dass alle Akteure nur Gutes im Sinn haben, auch die Regierungen, und vergessen, dass unsere Gesetze ein Schutzschild zur Wahrung unserer Rechte untereinander aber auch gegenüber einem und anderen Staaten sind. Mehr noch: Es wird argumentiert, dass das ja jemand machen muss, weil das alle machen. Geschichtlich betrachtet eine kritische Aussage…
Alle haben Interessen – und wir vergessen die der anderen gerade und das mit einem Tempo, dass ich mich frage, ob wir durch Technologien nicht mittlerweile an einem Punkt angekommen sind, an dem wir den Menschen, auch uns selbst, schon lange aus der Gleichung gestrichen haben. Wir sind so glücklich darüber, dass wir das Feuer entdeckt haben, dass wir nicht merken, dass wir schon lichterloh brennen.
Und das ist traurig.
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